Vortrag: „Österreichische Subsistenzwirtschaft statt Globalisierungswahn“

Unser Vortragender war so frei und hat uns seine Unterlagen zur Verfügung gestellt, sodass auch diejenigen, die bei unserem Stammtisch leider verhindert waren, Informationen erhalten.

 

In der heutigen Zeit interagieren die verschiedensten Wirtschaftssubjekte (Konsumenten, Unternehmen, Staaten etc.) weltweit miteinander. Man ist irrsinnig vernetzt. Dies bringt eine hohe Produktvielfalt, steigert den allgemeinen Wohlstand, welcher an verschiedensten Kennzahlen abgelesen werden kann, und sorgt für eine hohe Effizienz. So ist zumindest die romantisierte Mainstream-Meinung diverser Ökonomen, die teils nichts anderes als Lobbyisten einer globalisierungsfanatischen Minderheit sind. Deshalb lohnt es sich einen genaueren Blick auf diese Thematik zu werfen und sich mit Alternativen zu beschäftigen.

Die Aktuelle Situation – Globalisierungswahn

Erklärung

Derzeit lautet die Devise: maximale Internationalisierung. Deshalb haben Auslagerungen (Outsourcing), „der Abbau von Handelsbarrieren“, Freihandelsabkommen etc. oberste Priorität. Doch was bedeutet das überhaupt? Auf einen Satz zusammengefasst wohl folgendes: Alle Güter und Dienstleistungen sollen dort angebaut/produziert/erbracht werden, wo es am günstigsten oder „effizientesten“ ist und dann von dort aus zum Absatzmarkt gebracht werden. Der Produktions- und Absatzmarkt kennt keine Grenzen. Ein konkretes Beispiel, um dies zu erläutern wäre folgendes: Baumwolle wird in Indien angebaut und geerntet, in Vietnam zu Stoff verarbeitet, in China zu einem Pullover verarbeitet, vielleicht noch in Polen bedruckt und schließlich in Österreich von einem multinational agierenden Konzern verkauft. Hierbei werden zigtausende Kilometer zurückgelegt und auf Arbeitsrechte und Umweltschutz wird oftmals keinerlei Wert gelegt. Dies ist bei sehr vielen Produkten der Fall: Lebensmittel, Kleidung, Elektronik und vieles mehr.

Mythen

„Globalisierung kann man gar nicht aufhalten. Man kann sich ihr nicht entziehen.“ Es ist zwar richtig, dass es schon immer große Unterschiede bei den Lohnniveaus weltweit gab und sich diese von Globalisten zu Nutze gemacht werden. Aber dennoch ist Globalisierung keine natürliche, unaufhaltsame Entwicklung. Denn diese gibt es eigentlich erst seit den 60er Jahren. Doch gravierende Lohnunterschiede gab es schon davor. Globalisierung ist durch Zollabbau herbeigeführt worden. Genauso wie sie durch Zoll- und andere Handelsbeschränkungen herbeigeführt worden ist, kann sie auch durch Wiedereinführung solcher wieder gestoppt bzw. umgekehrt, oder zumindest eingedämmt werden. Es ist möglich, es fehlt schlichtweg der politische Wille.

„Schon Smith und Ricardo haben geschrieben, dass Globalisierung viele Vorteile bringt, den Wohlstand erhöht und notwendig ist.“ Derartige Argumente hört man vor allem an der Universität, wenn es um das Thema Globalisierung geht. Adam Smith und David Ricardo (18. und 19 Jh.) werden auch heute noch als wichtige Persönlichkeiten in der Volkswirtschaft angesehen und teilweise sogar als „Begründer der Volkswirtschaftslehre“ bezeichnet. Eine detaillierte und kritische Auseinandersetzung mit diesen würde den Rahmen komplett sprengen, aber so viel kann man definitiv sagen: Sie sprachen sich für die Marktwirtschaft aus und gingen bei ihren Thesen (unteranderem) fast immer von Vollbeschäftigung und ähnlichen Lohnniveaus aus. 2 Dinge, die heute nicht gegeben/vorhanden sind. Die Lohnungleichheit ist heute weltweit extrem hoch und genau das machen sich Globalisten zu nutze. Der von Smith und Ricardo propagierte komparative Vorteil, der sich aus dem Handel mit dem Ausland ergeben sollte, bezog sich einzig und allein auf die Nutzung überlegener Herstellungstechniken und günstiger klimatischer Bedingungen (insbesondere bei Nahrungsmitteln). Somit ist dieses Argument obsolet.

„Globalisierung erhöht die Effizienz, bringt mehr Wohlstand, höheres BIP etc.“ Das alles ist nichts anderes als Framing. Letztendlich bedeutet Globalisierung eines: mehr Profit. „Globalisierung ermöglicht günstigere Produkte.“ Möglich, aber um welchen Preis? Niedrige Preise gehen zu Lasten von Umwelt, Arbeitsstandard etc.. Außerdem sind Preise nicht relevant, nur Realeinkommen und (reale) Kaufkraft zählen. Arbeiter verloren zwischen 1998 und 2014/15 (lt. Rechnungshof) inflationsbereinigt 13%. Angestellte legten um 1 % zu, Beamte hatten ein Plus von 23 %, was aber daran liegt, dass es weniger Beamte im Niedriglohnbereich gibt. Vor allem die unteren Lohngruppen mussten große Verluste hinnehmen, während Besserverdienende ein leichtes Plus hatten. Die untersten 10 % hatten ein Minus von 40 %. Die Löhne im Verhältnis zur Produktivität haben sich noch schlechter entwickelt. In Deutschland sind die Reallöhne seit den 80er Jahren um 15 % gesunken, die Produktivität aber hat sich fast verdoppelt. Für Österreich ist die Datenlage leider dünn, aber die Entwicklung ist wohl wie so oft eine ähnliche. In den 70er konnte ein Facharbeiter eine Familie als Alleinverdiener ernähren.

Arbeitsmarktproblematik

Durch dieses globalisierte Wirtschaften werden gewisse Regionen zu billigen Produktionsstätten degradiert, während andere zu hochspezialisierten Nischenproduktionsstätten ernannt werden. Dieser Wahn zur Globalisierung begann erst so richtig in den 60er Jahren. So sind in Österreich seit 1960 150.000 Arbeitsplätze im Textilsektor verloren gegangen, sodass heute nur noch ca. 5.000 bzw. 0,7 % der Beschäftigten in der gewerblichen Wirtschaft im Textilsektor (Mehrfachzählung) arbeiten. Jedes Land hat nur noch einige wenige Schlüsselsektoren, in denen die Menschen beschäftigt sind. Österreich hat dabei die Rolle eines Staates, der aufgrund von hoher Qualifizierung oftmals hochtechnologische Produkte erstellt, welche dann aber oftmals sogar wo anders produziert und in Österreich nur entwickelt werden. Die Konsequenz daraus ist, dass der Staat Österreich nur noch extrem gut ausgebildete Arbeitskräfte braucht. Doch nicht jeder kann oder will diesen Anforderungen gerecht werden.

Derzeit ist die Beschäftigungsrate in Österreich nur aufgrund des Dienstleistungssektors, also wegen Dingen, die hier geleistet und (meist) auch hier in Anspruch genommen werden, so hoch. Etwa 71 Prozent der Erwerbstätigen in Österreich sind heute im Dienstleistungssektor beschäftigt. Vor 40 Jahren waren es noch 47 Prozent. Das ging zulasten der Landwirtschaft (von 13 auf 4 Prozent) und des industriellen Sektors (von 40 auf 25 Prozent). Doch dies wird sich in Zukunft durch die zunehmende Digitalisierung dramatisch ändern. Diese wird in den nächsten Jahrzehnten die wohl größten Veränderungen am Arbeitsmarkt mit sich bringen, die wir jemals erlebt haben (Dies wäre wiederum auch ein Thema, welches einen eigenen Artikel wert wäre). So werden viele in Zukunft andere Berufe ausüben müssen. 10-47 % aller Jobs sind durch Digitalisierung/Automatisierung gefährdet. Je nach Zeitraum und Definition. Viele Arbeitsplätze sind gefährdet, so z.B. Taxi-, LKW-Fahrer durch autonomes Fahren, Personen im Einzelhandel durch Selbstbedienungskassen und kassenlose Supermärkte, diverse Bürotätigkeiten durch unterschiedlichste Software (Chatbots etc.) etc. Überspitz formuliert: In Zukunft braucht es mehr IT- Spezialisten und andere hochqualifizierte Fachkräfte als Fabrikarbeiter oder Personen, die im Dienstleistungssektor beschäftigt sind. Doch so wird das nicht funktionieren. Eine Bevölkerung kann nicht dermaßen einseitige Tätigkeiten ausüben. In jedem Volk gibt es Personen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die das gesamte Spektrum der wirtschaftlichen Tätigkeiten abdecken. Vollbeschäftigung kann es also in einer solchen Entwicklung nicht geben. Hohe Arbeitslosenzahlen werden die zukünftige Realität sein.

Abhängigkeit von global agierenden Konzernen und Großmächten

Aber das ist nur ein Aspekt dieser Agenda. Darüber hinaus macht sich jeder Staat von allen anderen Staaten abhängig. Auch Österreich! Wir können uns als Staat schon jetzt nicht mehr mit den grundlegendsten Dingen wie Grundnahrungsmittel, Bekleidung, Energie und anderem versorgen. So konnte aus der heimischen Landwirtschaft der Bedarf an Wein zu 90%, an Getreide zu 88%, an Kartoffeln zu 78%, an Gemüse zu 57%, an Obst zu 49%, an Ölsaaten zu 45% und an pflanzlichen Ölen zu 21% gedeckt werden (Statistik Austria. 2015/16). Aus der heimischen Landwirtschaft konnte der Bedarf an Getreide zu 95%, an Kartoffeln zu 87%, an Wein zu 80%, an Gemüse zu 58%, an Ölsaaten zu 53%, an pflanzlichen Ölen zu 31% und an Obst zu 27% gedeckt werden (Statistik Austria 2016/17). Man sieht hier also, dass es relativ große Unterschiede auf Grund von den klimatischen Bedingungen in den einzelnen Jahren gibt. Fleisch, Innereien, Milch, Milchprodukte konnten zu 100 % gedeckt werden, wobei es hier große Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten gibt. So ist der Selbstversorungsgrad an Innereien und Schmelzkäse sehr hoch, während dieser bei Geflügel, Butter, Honig, Fisch niedrig bis sehr niedrig ist (Statistik Austria 2016). 35 % der Rohenergie wird in Österreich erzeugt, 65 % importiert. 70-90 % des Stromes werden in Österreich produziert, je nach Definition. Nur rund 15 Prozent der von der heimischen Bekleidungsindustrie verkauften Waren werden noch in Österreich gefertigt. Wobei es sich hier meist um Spezialanfertigungen handelt. Wie hoch der Anteil der in Österreich gefertigten Kleidungsstücke an den in Österreich verkauften ist, lässt sich nicht genau sagen, da hier einfach die Daten fehlen. Vermutlich wird der Anteil nicht mal 1 % betragen. Wie man sieht kann sich Österreich weder mit Lebensmittel, noch mit Energie und schon gar nicht mit Textilien versorgen. Genau das wollen die Globalisten. Jedes Land ist durch die verlorene Fähigkeit sich selbst mit Essenziellem zu versorgen nur ein Spielball von global agierenden Konzernen und Großmächten, die andere Länder bei unliebsamem Verhalten durch Sanktionen wirtschaftlich in den Ruin treiben können. Kein Land ist in diesem System wirtschaftlich souverän!

Alternative – Österreichische Subsistenzwirtschaft

Doch es braucht nicht nur eine intensive Auseinandersetzung mit den Problemen. Es braucht Lösungen für diese. Eine davon ist die österreichische Subsistenzwirtschaft. Das Ziel dieser ist die wirtschaftliche Souveränität wiederherzustellen. So soll Österreich sich zum Beispiel mit Energie, Grundnahrungsmitteln und Kleidung versorgen können, oder zumindest einen möglichst hohen Anteil an Selbstversorgung bei diesen haben. Somit werden die zwei oben beschrieben Probleme (Arbeitsmarktproblematik, Abhängigkeit von global agierenden Konzernen und Großmächten) gelöst.

Mögliche Bedenken

„Ist es überhaupt möglich alles in Österreich anzubauen, zu produzieren?“ Alles in einem „kleinen“ Land wie Österreich anzubauen/zu produzieren ist natürlich nicht möglich, aber das ist auch gar nicht das Ziel. Allein der Anbau von allen Lebensmitteln ist z.B. auf Grund der klimatischen Gegebenheiten nicht möglich. Aber alles was möglich ist bzw. möglich scheint, muss versucht werden. So müssen alle in Frage kommenden Lebensmittel in Österreich angebaut/hergestellt werden, oder zumindest ein sehr hoher Eigenversorgungsgrad erreicht werden. Ebenso wird nicht alles in Österreich produziert werden können, aber wie schon erwähnt ist das auch nicht der Anspruch. Ziel ist es alle im Bereich des Möglichen essenziellen Produkte in Österreich herzustellen. Die Textilindustrie zählt sicherlich dazu.

„Sind die in Österreich gefertigten Produkte nicht viel zu teuer?“ Natürlich ist die Arbeitsstunde in Österreich wesentlich teurer als in Bangladesch, China, Rumänien etc. und natürlich kann man bspw. in Österreich kein T-Shirt produzieren und dieses dann (unsubventioniert) um 2,50 € verkaufen. Aber das will man vielleicht auch gar nicht. Klar ist auf jeden Fall eines: Wenn die Unternehmungen, welche in Österreich produzieren, nicht auf Profitmaximierung, sondern auch auf Gemeinwohl ausgerichtet sind und aufgrund dessen durch Zölle finanzierte Subventionen erhalten, dann können alle Produkte zu moderaten Preisen verkauft werden. Außerdem ist die Frage nach dem Preis nicht die relevante. Viel wichtiger ist das Realeinkommen und die (reale) Kaufkraft, also was verdienen die Leute und was können sie sich für ihr Geld kaufen.

„Hat Österreich überhaupt die nötigen Ressourcen um sich selbst mit Nahrungsmitteln, Energie, Strom, Kleidung selbst zu versorgen?“ Ja, haben wir. Es gibt Studien (z.B. der Uni Innsbruck), die zeigen, dass Österreich sich vollkommen selbständig mit (erneuerbarer und atomfreier) Energie versorgen kann. Dazu braucht es die entsprechende Infrastruktur und eine höhere Energieeffizienz. Auch verfügt Österreich über die entsprechende Anbaufläche um sich mit den wichtigsten Nahrungsmitteln zu versorgen. Ebenso können sämtliche Textilien in Österreich hergestellt werden.

Umsetzung

Zunächst einmal muss klar sein, dass die „österreichische Subsistenzwirtschaft“ wohl kaum umsetzbar ist, solange man Mitglied der EU ist, da es die EU niemals zulassen würde Handelsbarrieren aufzubauen und verstärkt österreichische Unternehmungen zu fördern. Der ÖXIT ist also Grundvoraussetzung für die österreichische Subsistenzwirtschaft. Dann stellt sich natürlich die Frage, auf welche Produkte man sich konzentriert bzw. welche realistisch betrachtet in Österreich erzeugt/produziert werden können. Nahrungsmittel, Strom, Energie und Kleidung zählen sicherlich zu diesen. Der Staat muss in diesen Sparten das Zepter übernehmen und die entsprechenden Unternehmungen betreiben, oder zumindest durch Subventionen, Gesetzgebungen, Besteuerungen etc. die Rahmenbedingungen für solche schaffen. Voraussetzung für letzteres wäre, dass sich die Unternehmungen dazu verpflichten, nicht die Profitmaximierung, sondern das Gemeinwohl, also den Nutzen für das Volk, in den Vordergrund zu stellen. Falls dies nicht der Fall ist, muss der Staat entsprechende Unternehmungen betreiben. Darüber hinaus sind Zölle auf ausländische Produkte sowie durch deren Einnahme finanzierte Subventionen notwendig. Außerdem muss durch umfassende Informationskampagnen in der Bevölkerung ein Bewusstsein für den Kauf von in Österreich produzierten Waren geschaffen werden. Auch eine detaillierte Kennzeichnungspflicht muss eingeführt werden, aus welcher erkennbar ist, welche Komponenten eines Produktes woher kommen bzw. bezogen werden, sodass maximale Transparenz diesbezüglich herrscht.

Abschluss

Doch was kann man als Einzelperson gegen diese Entwicklung tun? Wie kann man das System zum besseren verändern? Zunächst muss man sich mit dem System und Alternativen zu diesem intensiv beschäftigen und andere darüber informieren, damit auch diese Wissen darüber haben. Man kann aufklären, egal ob in der Familie, im Freundeskreis, im Sportverein oder sonst wo. Wissen ist die stärkste Waffe im politischen Kampf gegen ein System, das unserem Volk schadet, ja dieses bekämpft. Aber wir können noch mehr tun, als uns selbst und unser Umfeld darüber aufzuklären. Jeder von uns kann bei seiner Kaufentscheidung ein Zeichen setzen. Natürlich ist es nicht möglich ausschließlich Produkte aus Österreich zu kaufen, da viele Dinge gar nicht mehr hier produziert werden. Fernseher, Laptops, Kameras, Handys und andere elektronischen Geräte sind Produktfelder, welche derzeit nicht aus Österreich bezogen werden können. Auch im Inland produzierte Kleidung ist nur sehr schwer zu bekommen. Aber jeder von uns hat im Supermarkt und in der Drogerie die Möglichkeit ein Zeichen zu setzen. Wir können darauf achten österreichische Produkte zu kaufen und so die einheimischen Unternehmen, Bauern und Arbeiter unterstützen.

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